Das Porno-Hippie-Schwaben-FeindbildEine Geschichte aus Berlin. Irgendwo im Osten der Stadt in einer kleinen Seitenstraße haben es ein paar Leute so richtig gut. Ihre Häuser, die ursprünglich mal Volkseigentum waren, haben sie vor vielen Jahren fast zum Nulltarif bekommen. Sie haben sie bunt angemalt, schön eingerichtet und leben dort so, wie sie es für richtig halten. Ihre kleine bunte Welt verlassen sie nur selten, außer für Reisen nach Ecuador oder Chile oder zu den Eltern nach Nordhessen. Wozu sollen sie auch raus, sie wissen ja, wie die Dinge stehen: Draußen tobt der Kapitalismus, die Reichen werden immer reicher, die Armen immer ärmer, ja, so ist das da draußen. Lange Zeit passierte gar nichts in der kleinen Straße. Dann aber geschah das Unerhörte: auf dem kleinen, leeren Grundstück mitten in der Häuserzeile sollte ein Haus gebaut werden. Nicht etwa von bösen Spekulanten, nein, viel schlimmer: von Leuten um die 30, die mit etwas selbst verdientem Geld und hohen Krediten ihr eigenes Haus bauen wollten, statt Monat für Monat viel zu viel Miete zu zahlen. Sodom und Gomorrha schrien da die Bewohner der Straße. Die sollten sie mal kennen lernen, ihre neuen Nachbarn, diese Systemsklaven! Kaum war ein Bauzaun errichtet, wurde er auch wieder eingerissen, kaum waren die ersten Baustoffe da, waren sie auch plötzlich verschwunden. Einem Bagger wurden irgendwann die Bremsleitungen durchgeschnitten. Das neue Haus haben die alten Bewohner der Straße nicht verhindern können, sich selbst konnten sie aber erfolgreich entlarven: als verbohrte, aggressive Giftzwerge. Seit vergangenem Wochenende hat die Berliner Hausprojekt-Szene einen neuen Begriff für ihr Feindbild: Porno-Hippie-Schwaben heißen alle, die, wenn sie ihr erstes eigenes Geld verdient haben, nicht etwa flugs ihre Viertel gen Vorort oder wenigstens gen Charlottenburg verlassen, sondern da bleiben und ihr Umfeld in ihrem Sinne prägen - so wie man es in Prenzlauer Berg in den letzten Jahren beobachten kann. Die Berliner Antifa ist eine verdiente Bewegung. Die neue Berliner Antischwa ist eine Plage und in ihrer Beschränktheit unerträglich.
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