Mit der S-Bahn (zur Arbeit) fahrenViele der Redakteure hier bei der Zitty kommen tagtäglich mit dem Rad zur Arbeit. Egal, ob es regnet oder sonst was für Wetter draußen ist. Würde ich auch gerne machen. Allerdings brauche ich dafür vom Gesundbrunnen 40 Minuten. Darauf hab ich erstens keine Lust (und wenn dann nur in seltenen Fällen), weil abgekämpft auf Arbeit anzukommen nicht der beste Start in den Tag ist, und zweitens brauche ich mit der Ringbahn nur 20 Minuten und kann so auch länger schlafen. S-Bahn fahren ist ganz generell eigentlich sehr bequem. Wenn sie denn kommt, das ist das erste Problem. Von Streiks mal ganz abgesehen, scheint die BVG nicht den Anspruch zu erheben die Fahrplanzeiten einzuhalten (das ist natürlich übertrieben, aber wenn man abends um 22 Uhr einfach nur nach Hause will, dann unangekündigt die Bahn ausfällt, man noch einmal 10 Minuten warten muss und das öfter der Fall ist und man früher mit der DB nach Berlin rein fahren musste und die ja ganz offensichtlich nicht den Anspruch erheben pünktlich zu sein, dann kann man schon mal den Eindruck gewinnen, dass Pünktlichkeit kein hoch geschätztes Gut ist, bei denen). Besonders angenehm sind in Konsequenz ausgefallener Bahnen überfüllte Züge und die daraus folgende Dichte der Menschen pro Quadratmeter. Als Mensch mit vielen Neurosen missfällt mir neben der Störung meiner körperlichen Privatsphäre, Musik aus Handylautsprechern (das wird wohl vielen so gehen), herum blökende Jugendliche, das Mithören von Tinas gestrigen Exzessen und Julias Beziehungsproblemen, Fahrräder in der Bahn (Wieso nimmt jemand sein Fahrrad mit in die Bahn, wenn er doch mit selbigem fortbewegen kann? Klärt mich auf!), Straßenzeitungsverkäufer (nichts gegen die Verkäufer, ich hätte nur gern meine Ruhe), Musikanten (auch nichts gegen die, siehe letzte Klammer), klebrige Bierreste auf dem Boden, der Geruch von Fastfood (besonders der von Pommes um halb zehn am Morgen), Abstellfahrten (ich hab es tatsächlich mal geschafft in aller Eile und Hast und mit Musik im Ohr gerade so noch die Bahn zu erwischen, als ich feststellen musste, dass das Licht aus war und alle Menschen auf dem Gleis standen, ich also auf dem besten Weg war in irgendeinem Tunnel zu versumpfen (gut, dass an dem Tag davor „Creep“ mit Franka Potente im Fernsehen kam) und weil ich mir nicht zu helfen wusste, schlug ich wie eine Bekloppte gegen die Fahrertür und zog in letzter Konsequenz und Panik die Notbremse (wollte ich schon immer mal machen)- der Fahrer war allerdings nicht so erfreut. Ich hab dann das Rad genommen.)- also, ich merke gerade, eigentlich spricht überhaupt nichts FÜR Bahn fahren, außer Bequemlichkeit. Vielleicht nehme ich morgen mal das Rad, oder lerne Roller fahren. Von Charlott Tornow
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