Wie man mal eben eine halbe Milliarde verdienen kannUnd wieder einmal ist uns Hamburg ein leuchtendes Vorbild. Nein, diesmal erklärt uns das nicht Finanzsenator Sarrazin, der alte Rechenfuchs, sondern Claudia Hämmerling, die für die Grünen im Abgeordnetenhaus sitzt. Hämmerling hat sich mit Berlins übelster Plage neben der Miniermotte befasst: mit der Großflächenwerbung. Ganze Krankenhäuser sind ja bekanntlich bereits hinter Planen verschwunden und erst nach massiver Intervention durch die Behörden wieder aufgetaucht; an anderer Stelle, beispielsweise am Leipziger Platz, stehen Baugerüste ohne Haus dahinter - natürlich reklameverhangen. Die Arbeiten begännen bald, versichern die Grundstückseigentümer. Hämmerling will derlei Treiben jetzt unterbinden. Zwei wesentliche Änderungen fordert ihre Fraktion in einem Antrag. Erstens soll in Zukunft nicht mehr der Grundstückseigentümer entscheiden, ob ein Werbetransparent das Stadtbild stört - diese bundesweit einmalig liberale Gestaltung der Bauordnung wurde vor zwei Jahren erlassen, die Folgen sind bekannt. Zweitens soll die öffentliche Hand an den Millionengewinnen der Gebäudeverhänger beteiligt werden. So wie in Hamburg - dort hat die Stadt zunächst die Konzessionen für Großflächenwerbung drastisch verknappt, und dann die Gebühren drastisch erhöht. Ergebnis: 508 Millionen Euro Einnahmen für die kommenden 15 Jahre - im Vergleich zu rund 30 Millionen im Zeitraum seit 1993. Eine Versiebzehnfachung der Einnahmen auf einen Streich - eigentlich hätte Thilo Sarrazin die Idee aus Hamburg längst aufgreifen müssen. Aber die Einnahmen zu erhöhen scheint nicht zu seinem Repertoire zu gehören. Vielleicht ist er zu beschäftigt damit, die Ausgaben zu kürzen.
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